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Andechs

Zu einer alten Tradition und zugleich jung und lebendig ist die Stadtwallfahrt nach Andechs. Diesmal gingen wir am Sonntag, 04. Juli 2010. Ein Erfahrungsbericht eines Neulings:

Es scheint schon schwer: 3:15 Uhr spätestens aufstehen und die Familie im Hintergrund lassen, um sich zu Fuß nach Andechs zu machen. Viele andere drehen sich nochmal um! Nein - ich habe mich dazu entschlossen, mal mitzumachen. Mal schauen, was das so für Leute sind, was da so abgeht und was das so für mich bringt: Aber ich sage Euch - genau dieses frühe Aufstehen und sich alleine, still und leise davon zu machen, durch die dunkle Au zu gehen, niemanden zu begegnen und sich zu fragen "Was mache ich hier überhaupt?" ... das ist schon was! Würden Sie freiwillig um 03:00 Uhr nachts aufstehen zu einer Wanderung? Ne, schon gar nicht als Mutter von 2 Kleinkindern mit einem riesen Haushalt, Selbständigkeit und und und ....

Mein Mann hat mich motiviert und sagte: mach einfach! Ich war früher als Ministrant der Kreuzträger und es war total cool. Und ich dachte mir: na, laufen kann ich ja 21 km, warum nicht dann nicht auch mal 4 h ruhig wandern.

Also: Wir haben uns alle in der Kirche Mariae Himmelfahrt getroffen und ich war erstaunt, welche Altergruppen unterschiedlichen Alters ankamen. von 9-Jährigen bis hin zu Senioren, war alles vertreten. Pfarrer Lindl begrüsste uns frisch und euphorisch, wir sangen ein Lied und um 4:10 Uhr ging es los. Die ganze Mannschaft von ca. 150 Menschen ging Richtung Münchener Strasse und fasste sich nochmal mit einer Einleitung vom evangelischen Dekan Axel Piper. Meines Erachtens mit sehr strammen Schrittes, ging es zügig Richtung Neidhartpark. Ich wunderte mich dauernd, warum hinter mir (ich war das Schlußlicht), Scheinwerfer von Autos blitzten. Lösung: die Polizei begleitete uns diese ganze Strecke bis Pähl und vor uns sorgte ein Auto für freie Fahrt. Mensch, wir nahmen ja fast die ganze Strassenbreite in Beschlag. Da muß natürlich jemand für Reih und Glied sorgen. Ich finde das toll, dass ich für sowas auch die Polizei und andere Beteiligte finden. Super!

Beim Aldi vorbei, links über Unterhausen und über Querwege führte uns der Weg in den Morgen - war das ein Anblick! Die Vögel erwachen hören und dabei sein, wenn der Tag beginnt. Ich fand es schon irre, was man jeden Morgen so verpasst, wenn man bis 6:30 Uhr schläft ...

Es ging hier direkt nach Pähl. Das Rosenkranzbeten und die Litaneien waren sehr beruhigend und trotz der Eintönigkeit sehr meditativ! Um 06:10 Uhr erreichten wir Pähl, wo das Auto unseres Mesners Roland wartete, um die Tonträger und schweren Kreuze und Fahnen nach Andechs zu schaffen. Ist schon wirklich früh für jeden Beteiligten.

Nachdem ich mich ja überhaupt nicht auskannte, fragte ich die Alt-Eingesessenen, die teils schon 20x dabei waren, wie es weitergeht. Es ging durch einen Wald in Pähl bergauf. Neben dem vielen Mücken-Tot-Klatschen, konnten sich Gruppen bilden, um sich zu unterhalten. Es war eine super Wanderung in dem Sinne. Ich lernte nette Leute kennen und kam mir richtig aufgehoben vor. Wenn auch mir die Füsse langsam weh taten, war das Ziel "Andechs" ab 07:15 Uhr nicht mehr weit. Gegen 07:35 Uhr erreichten wir Andechs am Fuße und sammelten uns mit den Busreisenden, um zusammen betend den heiligen Berg zu besteigen.

Oh Mann - das war ein Genuß, endlich ANZUKOMMEN! In einem einfühlsamen und gelungenen Gottesdienst konnten wir alle nochmal die Wallfahrt an uns vorbeifließen lassen und das, was wir mitgenommen hatten, dort ablegen. Ein paar Gedanken und Sinne sind sicher jedem gekommen - die wohl und gut an diesem Ort aufgehoben sind! Danke für diese Erfahrung.

Nächstes Jahr? Na klar - ich bin dabei!

Liebe Grüsse, Nicole Mundigl

Hinweis: Zu Recht wurde auch in diesem Jahr belagt, was auch in den vergangenen Jahren beklagt wurde: dass es einfach zu schnell geht, wenn die Stadtwallfahrt am ersten Sonntag sich auf den Weg nach Andechs macht. Eine Wallfahrt ist ein Bittgang und kein Volkslauf. Darum sind wir dankbar, dass in Zukunft der Wallfahrtsgottesdienst in der Klosterkirche um 9:00 Uhr möglich ist. Also zu der Zeit, da in Weilheim der allsonntägliche Pfarrgottesdienst gefeiert wird. So haben wir Zeit gewonnen und gehen im nächsten Jahr um 4:30 mit einem einstimmenden Lied in der Stadtpfarrkirche los. Unterwegs machen wir dann auch eine kleine geistliche Rast, eine „Statio“ unterwegs. So dass wir etwas „durchschnaufen“ können. Wir hoffen, dass dieser Vorschlag die breite Zustimmung der Wallfahrer findet.

Pfarrer Lindl