Zehn Tage im Heiligen Land
Unser Stadtpfarrer Ulrich Lindl hat unsere große Weilheimer Gruppe durch das für Juden, Christen und auch Muslime heilige Land so geleitet, daß wir in aller Ruhe das Akko der Kreuzritter, Haifa, Nazareth, die Berge der Verklärung, Brotvermehrung, Seligpreisung und Versuchung, Totes Meer und Qumran sowie Bethlehem und Jerusalem als meditative Pilgerfahrt erleben konnten.
Der ausgezeichnete palästinensisch-muslimische Führer Sala Adameh gab Orientierung in der vielschichtigen, politisch und religiös heillos zerstrittenen Region. Wir bewohnten vier Nächte das Kibbuzhotel Ein Gev am Ostufer des Sees Genezareth und fünf das Kloster der Rosenkranzschwestern nahe dem Jaffator zu Jerusalems Altstadt.
Einer von vielen Höhepunkten war die Fahrt im Holzboot nach Kafarnaum mit Verweilen für eine Morgenandacht auf der Seemitte. Die Szene des übers Wasser kommenden Herrn, dem Petrus entgegeneilt, um beinahe in Zweifel und Angst zu versinken, wurde vor unseren inneren Augen sehr lebendig.Immer wieder kam Petrus uns in seiner Zuversicht und Schwäche nahe, und eine beglückend menschliche Nähe zu Jesus selber bestimmte die weiteren Tage: etwa an der Jordanquelle vor dem Heiligtum Pans, wo auf Petrus´ Messiasbekenntnis die Verheißung seiner Schlüsselmacht in der zu bauenden Kirche folgt; auf dem Tabor, wo drei fassungslose Jünger die geheimnisvolle Verklärung miterleben und Petrus eilfertig drei Hütten bauen will; am Ölberg, wo sie die Todesangst ihres Messias dreimal verschlafen, Petrus tolpatschig mit seinem Schwert ein Soldatenohr absäbelt, aber gleich danach den zur Verurteilung Gehenden verleugnet.
Besonders nahe kam uns Jesus bei seinem traurigen Blick, der Petrus in Reuetränen stürzt!
Unvergesslich bleiben Pfarrer Lindls Empfehlungen: auf dem Tabor die große Gegenwärtigkeit im Herzen zu bewahren und zu wissen, daß solch zeitlosen Höhen stets gähnende Tiefen folgen; bei der Brotvermehrung im Geiste mit den Jüngern nur fünf Brote und zwei Salzfische auszuteilen ohne Sorge vor leeren Körben; oder am Uferaltar bei Tabgha zu bedenken, wie Petrus vom Auferstanden nochmals zum Fischfang geschickt und mit der dreimaligen Liebes-Frage ins Petrusamt berufen wird.
Zu pilgern in Seinen Spuren, mit Ihm über die Kinder Jerusalems zu weinen, zu stehen, wo Er stand, zu spüren, wie Er verspottet, gegeißelt wurde und scheiterte, waren handgreifliche Erfahrungen einzigartiger Eucharistiefeiern und Meditationen.
Dr. Barbara von Wulffen
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