UNSERE AGATHAKAPELLE - RUMPELKAMMER WIRD ZUM SCHMUCKSTÜCK
Über Jahrzehnte diente sie als Lagerraum für alte Sakristeischränke, Kirchenbänke und mehr oder weniger fromme, aber unbrauchbare Gegenstände. Wer die seltene Gelegenheit hatte, einen Blick in den freundlichen Innenraum mit den alten Wandbildern zu werfen, bedauerte diesen Zustand. Rechtzeitig zum 500-jährigen Jubiläum wird nun die Agatha-Kapelle aus dem Dornröschenschlaf geweckt und als Taufkapelle in St. Pölten einer neuen Funktion zugeführt.
Doch mit der Entrümpelung allein ist es nicht getan: Feuchte Stellen im Gemäuer sind trockengelegt und der Putz erneuert worden. Elektrik und Alarmanlage werden auf den neuesten Stand gebracht und die Schaltkästen unter Putz gelegt. Der Kunstschmiedebetrieb Schweizer hat die eiserne Tür restauriert und verlängert; die ursprünglich nicht vorhandene Eingangsstufe entfällt somit und ein barrierefreier Zugang entsteht. Eine böse Überraschung fand Rudi Mairle, der für die Kirchenverwaltung die Arbeiten koordiniert, unter dem Dach vor: Teile des Dachgebälks sind angefault und müssen nun ersetzt werden.
Auf neuen Latten werden wieder die alten brauchbaren Dachziegel angebracht. Die Reparatur- und Reinigungsarbeiten im Innenraum liegen in den bewährten Händen von Restaurator Hans Pfister aus Egling. Mit seinen Mitarbeitern bessert er Ausbröckelungen und Risse aus, reinigt und repariert die Fenster. Auch die Auffrischung der Vergoldung am frühbarocken Hochaltar und der Fassung der Figuren, die nun wieder an ihren Standort zurückkehren, gehört dazu, ebenso die unauffällige Ausbesserung der Wandlasur. Es ist schon sehr spannend, die Baugeschichte der Agathakapelle mit den Augen des Kirchenrestaurators zu sehen. Das gemauerte Deckengewölbe ist noch gotischen Ursprungs, weiß Hans Pfister zu berichten.
Das belegen nicht nur die eisernen Deckenverankerungen im Dachstuhl; sein geschultes Auge erkennt am Schattenspiel sogar die Position der gotischen Kreuzrippen und Gewölbekelche, die in der Barockzeit entfernt wurden. Eine Freilegung der gotischen Wandgemälde, wie sie bei der letzten Renovierung in den 1960-er Jahren vorgenommen wurde, würde der Restaurator heute nicht mehr empfehlen. Nicht nur, weil die Putzschichten die Gemälde meist nur unvollständig und beschädigt freigeben; eine Vermischung der Stile verschiedener Epochen ist heute aus Sicht des Denkmalschutzes nicht mehr erwünscht.
Norbert Moy
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