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WeihrauchfassDie Sterndeuter überbrachten dem neugeborenen Messias, dem König der Juden, wahrhaft königliche Geschenke: Gold und edles Räucherwerk - Weihrauch und Myrrhe - die kostbarsten Dinge, die man sich damals vorstellen konnte. Das vom Weihrauchbaum gewonnene Harz (Olibanum) hat seit Menschengedenken eine besondere Bedeutung. Schon im alten Ägypten wurde es für kultische Zwecke und zur Mumifizierung herausragender Personen verwendet.

Auch bei den Römern hatte Weihrauch eine besondere Bedeutung. Sie sandten damit ihre Wünsche und Anliegen zum Götterhimmel, „per fumum“, also mit Rauch, wovon sich das Wort Parfüm ableitet. Weihrauch stand von jeher für Heiliges und Sinnlichkeit, für Reinigung und Heilung.

Seit mehr als 4000 Jahren erntet man an den Küsten Arabiens das Harz des Weihrauchbaums, in dem man ihn an Stamm und Ästen anritzt. Es braucht mehrere Erntevorgänge, bis das Harz die gewünschte Qualität hat. Je nach Alter des Baumes können drei bis zehn Kilogramm geerntet werden. Von den Weihrauchwäldchen Arabiens brachte man das Harz nach Südeuropa und nach Indien. Die Weihrauchstraße zwischen Ägypten und dem indischen Subkontinent war - lange vor der Seidenstraße - die wichtigste Handelsroute im Altertum.

Die Verwendung von Weihrauch im Christentum hat mehrere Wurzeln. Sie hat ihren Vorläufer im Tempelkult der Israeliten, die neben den Schlacht- und Speiseopfern zweimal am Tag auch Weihrauchopfer verbrannten. Der aromatisch duftende Rauch, der beim Verglühen entsteht, wirkt desinfizierend und reinigend.

Im Römischen Götterkult ersetzte der Weihrauch mehr und mehr die anderen Opfergaben.

Außerdem wurde dem Kaiser stets Weihrauch vorangetragen, als Zeichen der Huldigung, aber auch, um schlechte Gerüche zu verdrängen und fern zu halten.

Viele römische Kaiser ließen sich als „Herr und Gott“ verehren. Bei den frühen Heidenchristen stand dagegen die göttliche Verehrung von Jesus Christus im Vordergrund. Aus diesem Grunde wurde der Weihrauch in der urchristlichen Liturgie zunächst nur bei Begräbnisfeiern verwendet. Erst im Lauf der Zeit fanden der Weihrauch und andere Elemente des römischen Kaiserkultes Einzug in den christlichen Gottesdienst. Ausschlaggebend war die Förderung und Formung des Christentums durch Kaiser Konstantin.

Außerdem war der Weihrauch nach den antiken Vorstellungen wertvolles Heil- mittel und galt deshalb auch als heilig. Der griechische Arzt Dioscurides schreibt ihm im ersten Jahrhundert vielfältige Wirkungen zu: Heilen von Wunden, Stillen von Blutungen, sowie Beseitigung von Warzen und Geschwüren. In China wird der Weihrauch bis heute als Lepra-, Haut- und Hustenmittel eingesetzt und in Indien bei Bronchitis, Lungen- entzündung, Fieber und Epilepsie. Außerdem wirkt Weihrauch auch anregend, angstlösend und gegen   Depression. Bis heute finden Extrakte aus Weihrauch in der modernen Medizin Anwendung, beispielsweise bei Rheuma, bei Multipler Sklerose, verschiedenen Entzündungen, Schuppenflechte oder Asthma. Auch in der Parfüm-industrie kommen die Duftstoffe aus Weihrauch häufig zum Einsatz.

In der katholischen Liturgie wird Weihrauch vor allem in der Messe und im Stundengebet bei Laudes und Vesper verwendet, wenn sie feierlich zelebriert werden. Daneben auch zur Verehrung der Eucharistie bei Prozessionen oder Andachten. Die eucharistischen Gaben, sowie alle Christussymbole (Altar, Evangeliar, Altarkreuz, Krippe und Osterkerze, Prie-ster und Gottesvolk) werden mit dem Weihrauchfass inzensiert. Bei einer Begräbnisfeier werden auch der Sarg und das offene Grab mit dem Sarg darin inzensiert, mit den Worten „Dein Leib war Gottes Tempel. Der Herr schenke Dir ewige Freude.“ Symbolisch steht der Weihrauch immer für Reinigung, Verehrung und Gebet. Nach Psalm 141 und weiteren Bibelstellen bezeichnet er auch das zu Gott aufsteigende Gebet der Gläubigen. Die mindestens seit 1570 geltende Vorschrift, im Hochamt Weihrauch verwenden zu müssen, machte den Weihrauch zu einem zentralen Merkmal der Festlichkeit.

Die katholische Liturgie macht mit der Weihrauchverwendung zudem deutlich, dass der Mensch eine Geist-Leib-Seele-Einheit ist. Der Gottesdienst ist nicht allein eine Verstandessache, sondern er soll alle Sinne ansprechen (besonders auch Auge und Geruchssinn). Weil Gottes Wort in Jesus Christus Mensch geworden ist, muss sich auch der Gottesdienst leiblich erfahrbar ausdrücken. Weihrauch gilt daher auch als ein Zeichen der Gegenwart Gottes bzw. des Wehens des Heiligen Geistes. Durch den Weihrauch soll unterstrichen werden, dass Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch in den äußeren Zeichen von Brot und Wein gegenwärtig ist. Die orthodoxe Liturgie bezeichnet den Weihrauch als den „Duft des Himmels“. Nach alter orientalisch-christlicher Vorstellung ist eine Gottesbegegnung stets mit einem Dufterlebnis verbunden. Daher ist der Weihrauch also ein Vorgeschmack auf Gottes himmlische Herrlichkeit.

Kaplan Andreas Demel