„Was ist Ihr Lieblingsgericht? Was Ihr Lieblingsbuch? Und Ihr Lieblingshobby?“ Wir kennen das Spiel aus den Fragebögen der Illustrierten. Meistens sind es bekannte Persönlichkeiten, die darauf antworten. Oder unsere Kinder und Enkel, die sie in ein Freundebuch schreiben. Und eine Antwort fällt wohl nicht schwer.
Aber was ist eigentlich Ihr Lieblingswort? Wäre das nicht auch einmal eine Frage wert? Gewiss, wir leben in einer wortreichen Zeit. Wie viel wird geredet, wie viel wird geschrieben? Manche beklagen eine Inflation der Worte. Was ist eigentlich das Wort noch wert? Vielleicht aber ist gerade deshalb die Frage lohnend: „Was ist Ihr Lieblingswort?“
Die jüdische Lyrikerin Rose Ausländer hat zwischen den menschenverachtenden Kriegen des vergangenen Jahrhunderts einmal in einem Gedicht ihre ganz persönliche Antwort gegeben:
Wir wohnen
Wort an Wort
Sag mir dein liebstes Freund
meines heißt: Du
Das Wort „Du“ hat Rose Ausländer dabei ganz bewusst groß geschrieben! Wie wirkt das Du auf Sie?
Ja, Worte wirken! Worte können niederschmettern: harte ungerechtfertigte Kritik, die fix und fertig macht. Worte können aufbauen: Worte der Anerkennung, ein Lob! Worte können so gut tun!
Das Lieblingswort meines ehemaligen Tutzinger Heimatpfarrers Hans Marquard, mit dem ich groß geworden bin, werde ich nie vergessen. Immer wieder hat er es zu Menschen gesagt, immer wieder auch darüber gepredigt: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ Ein Wort des Segens. Ein Wort, das so gut tut. Haben Sie Ihr Lieblingswort inzwischen gefunden?
Was wäre wohl das Lieblingswort Gottes? Schlagen wir die Bibel auf! Am Anfang von allem finden wir das schöpferische Jawort Gottes, das alles, ja eine ganze Schöpfung ins Leben gerufen hat. „Es war sehr gut.“ (Gen 1, 31)
Gott hat der Welt sein Jawort gegeben und diesem Jawort die Treue gehalten. Damit nicht genug. Er wiederholt und bekräftigt es noch einmal in unüberbietbarer Liebe: Und das Wort ist Fleisch geworden - in Jesus Christus (vgl. Joh. 1,14). In wunderbarer Klarheit spricht der 2. Korintherbrief diese Wahrheit aus: „In ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem was Gott verheißen hat.“ (2. Kor 1, 19 f)
Jesus hat das Jawort Gottes gelebt und die Menschen geliebt. Ohne wenn und aber. Er hat Menschen bedingungslos angenommen, sie bejaht. Das haben Menschen schon immer zu spüren bekommen. Und tut es nicht gut? Wie heilsam das ist! Der Gelähmte, der im Markusevangelium Jesus begegnet, erfährt dies mit Leib und Seele: „Deine Sünden sind Dir vergeben. Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause.“ (Mk 2, 5.11).
Immer wieder spricht Jesus sein „Ja zum Leben“ aus. Und schenkt so eine neue Zukunft. Und immer wieder erleben wir: Worte wirken. Seine Worte wirken Heil.
An dieser Stelle noch einmal gefragt: Was ist Ihr Lieblingswort? Ist es nicht auffallend, dass wir danach nicht gefragt werden. Gewiss, das Unwort des Jahres wird alljährlich ermittelt. Aber das Lieblingswort des Jahres will anscheinend keiner wissen, niemand hören. Schade! Ich glaube, Lieblingsworte würden uns gut tun, wir würden sie wohl gerne hören, und sie würden unserer Zeit auf- und weiter helfen. Es käme am Ende wohl ein positiver Grundwortschatz zustande. Ja, es wäre wohl ein Segen! Übrigens: segnen kommt vom lateinischen „bene-dicere“. Und das heißt nicht weniger als: „gut sprechen“. Eine himmlische Alternative zum Schlechtreden.
Was ist unser Lieblingswort? Machen wir uns auf die Suche und dann: machen wir ganz einfach Gebrauch davon!
Pfarrer Ulrich Lindl
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- Und Ihr Lieblingshobby?“
Wir kennen das Spiel aus den Fragebögen der Illustrierten. Meistens sind es bekannte Persönlichkeiten, die darauf antworten. Oder unsere Kinder und Enkel, die sie in ein Freundebuch schreiben. Und eine Antwort fällt wohl nicht schwer.Aber was ist eigentlich Ihr Lieblingswort? Wäre das nicht auch einmal eine Frage wert? Gewiss, wir leben in einer wortreichen Zeit. Wie viel wird geredet, wie viel wird geschrieben? Manche beklagen eine Inflation der Worte. Was ist eigentlich das Wort noch wert? Vielleicht aber ist gerade deshalb die Frage lohnend: „Was ist Ihr Lieblingswort?“
Die jüdische Lyrikerin Rose Ausländer hat zwischen den menschenverachtenden Kriegen des vergangenen Jahrhunderts einmal in einem Gedicht ihre ganz persönliche Antwort gegeben:
Wir wohnen Wort an Wort Sag mir dein liebstes Freund meines heißt: Du
Das Wort „Du“ hat Rose Ausländer dabei ganz bewusst groß geschrieben! Wie wirkt das Du auf Sie? Ja, Worte wirken! Worte können niederschmettern: harte ungerechtfertigte Kritik, die fix und fertig macht. Worte können aufbauen: Worte der Anerkennung, ein Lob! Worte können so gut tun! Das Lieblingswort meines ehemaligen Tutzinger Heimatpfarrers Hans Marquard, mit dem ich groß geworden bin, werde ich nie vergessen. Immer wieder hat er es zu Menschen gesagt, immer wieder auch darüber gepredigt: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ Ein Wort des Segens. Ein Wort, das so gut tut. Haben Sie Ihr Lieblingswort inzwischen gefunden?Was wäre wohl das Lieblingswort Gottes? Schlagen wir die Bibel auf! Am Anfang von allem finden wir das schöpferische Jawort Gottes, das alles, ja eine ganze Schöpfung ins Leben gerufen hat. „Es war sehr gut.“ (Gen 1, 31) Gott hat der Welt sein Jawort gegeben und diesem Jawort die Treue gehalten. Damit nicht genug. Er wiederholt und bekräftigt es noch einmal in unüberbietbarer Liebe: Und das Wort ist Fleisch geworden - in Jesus Christus (vgl. Joh. 1,14).

In wunderbarer Klarheit spricht der 2. Korintherbrief diese Wahrheit aus: „In ihm ist das Ja verwirklicht. Er ist das Ja zu allem was Gott verheißen hat.“ (2. Kor 1, 19 f)Jesus hat das Jawort Gottes gelebt und die Menschen geliebt. Ohne wenn und aber. Er hat Menschen bedingungslos angenommen, sie bejaht. Das haben Menschen schon immer zu spüren bekommen. Und tut es nicht gut? Wie heilsam das ist! Der Gelähmte, der im Markusevangelium Jesus begegnet, erfährt dies mit Leib und Seele: „Deine Sünden sind Dir vergeben. Steh auf, nimm deine Tragbahre und geh nach Hause.“ (Mk 2, 5.11). Immer wieder spricht Jesus sein „Ja zum Leben“ aus. Und schenkt so eine neue Zukunft. Und immer wieder erleben wir: Worte wirken. Seine Worte wirken Heil. An dieser Stelle noch einmal gefragt: Was ist Ihr Lieblingswort? Ist es nicht auffallend, dass wir danach nicht gefragt werden. Gewiss, das Unwort des Jahres wird alljährlich ermittelt. Aber das Lieblingswort des Jahres will anscheinend keiner wissen, niemand hören. Schade!
Ich glaube, Lieblingsworte würden uns gut tun, wir würden sie wohl gerne hören, und sie würden unserer Zeit auf- und weiter helfen. Es käme am Ende wohl ein positiver Grundwortschatz zustande. Ja, es wäre wohl ein Segen! Übrigens: segnen kommt vom lateinischen „bene-dicere“. Und das heißt nicht weniger als: „gut sprechen“. Eine himmlische Alternative zum Schlechtreden. Was ist unser Lieblingswort? Machen wir uns auf die Suche und dann: machen wir ganz einfach Gebrauch davon!
Pfarrer Ulrich Lindl
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Knapp 13 Jahre ist es her, dass ich nach dem Abitur auszog, um die große weite Welt kennenzulernen. In meinem Fall war die große weite Welt Berlin, wo ich ein Jahr lang als Jesuit European Volunteer, kurz JEV, in einer Suppenküche für Obdachlose arbeitete.
JEV ist eine Freiwilligenorganisation der Jesuiten, bei der die Freiwilligen sich ein Jahr lang an vier Grund-linien orientieren: Einsatz für soziale Gerechtigkeit, gelebter Glaube, Leben in Gemeinschaft und einfacher Lebensstil.
Einfacher Lebensstil? Was ist das eigentlich? Klar, unsere JEV-WG war mit dem Wochenendticket nach Berlin gereist, eine IC-Fahrkarte war Luxus. Dass wir kein Auto haben würden, stand schon von vornherein fest. Aber wie geht einfacher Lebensstil im Alltag? Den Einstieg bot uns Jesuit Christian, der Herausforderungen liebte: "Ihr solltet überlegen, ob Ihr das Telefon behalten wollt. Eure Vorvorgänger hatten keines, da viele Leute im Osten kein Telefon hatten". Kein Telefon?! Ganz ehrlich: Ein bisschen hätte es mich doch gereizt, das mal auszuprobieren. Wie ich wohl klar käme, nur mit Briefen? Muss ich immer erreichbar sein? Hätten wir nicht den Luxus von Ruhe im Austausch gegen den eines Telefons?
Getraut haben wir uns dann doch nicht. Andere JEVs hatten auch mal ausprobiert, eine Woche ohne Strom zu leben. Natürlich ist das in Deutschland kein sehr lebensnahes Experiment, aber das JEV-Jahr bot einen Rahmen, auch mal so etwas auszuprobieren. Wie abhängig bin ich von etwas? Was brauche ich wirklich? Ab wann ist etwas Luxus? Habe ich vielleicht durch Verzicht mehr Freiheit? Ist mein Glück wirklich abhängig davon, dass ich mir dieses oder jenes leisten kann? Natürlich war es nicht immer ganz einfach, mit dem Taschengeld auszukommen: Für eine Fahrkarte nach Hause musste man ein Weilchen sparen, Kneipenbesuche oder Kino waren selten im Budget. Und wie sah es mit den gemeinsamen WG-Einkäufen aus? Wir starteten mit der berühmten Margarine-Butter-Diskussion, die schon ganze JEV-Generationen vor uns geführt hatten: Ist es schon einfacher Lebensstil, wenn wir Margarine statt Butter kaufen? Ist Butter Luxus? Wir kamen schnell darauf, dass das Thema damit nicht erledigt ist. Geht es darum, möglichst wenig Geld auszugeben? Oder geht es eher darum, das Geld sinnvoll zu verwenden und dafür auch auf etwas zu verzichten? Fair gehandelter Kaffee war Pflicht, da waren wir uns einig, auch wenn er teurer war. Sollen wir Fleisch essen oder ist das nicht gut für die Umwelt? Kaufen wir lieber Bio? Sollen wir besser regionale Sachen kaufen und die Bananen aus dem Obstkorb streichen? Unser Einkaufsverhalten änderte sich - heute würde man die Überschrift „Nachhaltigkeit" darüber setzen. Aber es bewegte uns nicht nur, möglichst umwelt- und sozialverträglich einzukaufen, sondern auch der Gedanke, dass wir tagtäglich mit Leuten arbeiteten, die weniger hatten als wir. Etwas lustlos kauten wir auf unserem mit Freude geplanten Weihnachtsmenü herum: War es vertretbar, in der Arbeit täglich mit Armut konfrontiert zu sein und uns zu Hause den Bauch vollzuschlagen? Hätte nicht auch weniger gereicht, um schön zu feiern?
Heute ist vieles anders: ich habe genügend Geld, um nicht ständig darüber nachdenken zu müssen, ob ich mir eine Fahrkarte oder einen Kinobesuch leisten kann – und ohne Telefon und Internet möchte ich auch nicht sein. Aber die Frage nach dem einfachen Lebensstil begleitet mich weiter und verlangt immer wieder neue Antworten.
Wir leben einfach. Das ist so: Kühlschrank, Elektroherd, Waschmaschine, Navigationsgerät im Auto … Aber leben wir einfach? Termin- und Leistungsdruck, hohe Anforderungen in Arbeit und Privatem, weite Arbeitswege oder Arbeitslosigkeit und damit Unterforderung, weit verteilte Familien, Pflege von Familienangehörigen, eine Fülle von Freizeitangeboten ... Wir agieren und funktionieren oder werden berieselt mit Informationen und Bildern, einer virtuellen Welt. Die Folge: Wir steigen aus unserem Leib aus und verlieren im Extremfall uns selbst. Körpersignale werden ignoriert oder gar nicht wahrgenommen. Was uns dabei verloren geht, ist die Unmittelbarkeit, das ganz bei der Sache sein. Das Spüren können, was unser Handeln bewirkt, nach außen in die Umwelt und nach innen als Rückwirkung auf uns selbst. Wie kostbar wäre z.B. Übergänge bewusst zu gestalten, indem ich einer abgeschlossenen Tätigkeit, einem Geschmack, einer Begegnung einfach nachlausche und ihre Nachwirkung in mir achte, bevor ich mich ins Nächste begebe. Das Leben würde intensiver. Unser Leben ist, wie es ist und dazu gehören die Herausforderungen und unzähligen Möglichkeiten, oder in anderen Lebenssituationen die Eintönigkeit. Wir sind in diesem Land begnadet und reich. Und wir können gestalten und tun es. Gerade in einem Leben voll Herausforderung ist es wichtig, Zeiten zu haben, wo wir ganz entspannen und zweckfreies Dasein genießen können, denn da bin ich ganz bei mir und finde so wieder zu meiner Kraft. Viele Möglichkeiten gibt es:
Ein langer Spaziergang, bei dem unsere Gedanken alles Erlebte nachklingen lassen und vielleicht steigen für ein Projekt ganz von innen Ideen auf, bis irgendwann Ruhe ist und einfach die Natur auf uns wirkt. Gemeinsames Singen, bei dem ich mich und die anderen im Klingen spüre. Musik hören, wo ich mich ganz einlasse und nichts sonst dabei erledige. Ein Hobby, bei dem ich aufgehe und die Zeit vergesse.
Kochen, ein kreativer Prozess und dann ein gemeinsames Essen und gute Gespräche.
Für mich persönlich sind auf meinem Lebensweg die stille Meditation und auch der Atemweg ganz wesentlich geworden. Ihre schlichte Einladung ist es, sich dem zu öffnen und spüren zu lernen, was ist. Die Realität in ihrer Vielschichtigkeit mit schönen und verdrängten Seiten. Ich lerne meine Wirklichkeit anzunehmen, bzw. überhaupt erst einmal wahrzunehmen. Auch und gerade durch vermeintliches Nichtkönnen, im Umspielen von Blockaden, in der Erfahrung und im Zulassen von Schmerz, öffnet sich ein Durchgang, ein Tor zur Fülle des Seins. Beides sind Erfahrungswege, die einen durch das Leben begleiten und deswegen nie langweilig werden können, wenn man Geschmack gefunden hat.
DER ATEMWEG Der Atem ist uns geschenkt. Er ist unser Leben. Wir können ihn zwar willentlich kurzfristig beeinflussen, tief Luft holen, versuchen den Atem anzuhalten, aber letztendlich bemächtigt er sich unser ganz von selbst.
Mit dem ersten Atemzug beginnt unser Leben, und mit dem letzten endet es. Wie sehr der Atem unsere momentane Lebenssituation spiegelt, zeigt uns die Sprache, uns stockt der Atem vor Schreck, wir atmen auf vor Erleichterung, wir werden kurzatmig oder haben einen langen Atem.
Im Normalfall denken wir über den Atem nicht nach. Bei der Atemarbeit, geht es darum, über Leibübungen oder Behandlungen die eigene Empfindung des Atemgeschehens zu entwickeln. Wir entdecken die Atemräume, erleben die Atemschwingung, spielen mit der Atemkraft, spüren uns im Tönen. Der Atem führt uns in jede Zelle des Leibes und löst damit auch Blockaden und Spannungen, die zu Lösen sich dem Willen verschließen. Der Atem lehrt uns, unser Maß zu spüren, mit seiner Kraft verbunden zu bleiben, wir können etwas leisten, ohne uns zu verausgaben. Und er führt uns auch in die geistige und geistliche Dimension, in das unaussprechliche Geheimnis des Lebens.
Schenken sie sich einfach mal selbst die Berührung ihrer Hände. Ertasten sie zunächst einfach ihre Hände mit geschlossenen Augen, die Finger, die Zwischenräume die Gelenke bis zum Handgelenk. Überlassen Sie sich ganz der Fantasie und der Neugier Ihrer Hände. Lassen Sie dabei das Kiefer gelöst und lassen Sie den Atem fließen. Trauen Sie sich auch ganz konkret zu werden und tief hineinzugreifen. Vielleicht spüren Sie die Wirkung auch in den Leib. Wenn ein Gähnen entsteht, genießen Sie es, es ist ein Zeichen, dass sich Spannung löst, dass sich die Zellen Sauerstoff holen. Wenn Sie davon satt sind, legen Sie Ihre Hände auf Ihren Leib. Spüren Sie sich unter Ihren Hände, ganz anwesend und zugewandt. Vielleicht spüren Sie eine Atembewegung. Lauschen Sie. Überlassen Sie sich Ihren Händen und dem Bedürfnis Ihres Leibes, wo tut Berührung gut, wo ist Sanftheit wohltuend, wo ein kräftiges Hineingreifen, wo ein Verweilen. Vielleicht entsteht auch Lust sich zu dehnen und zu räkeln. Wenn Sie sich daraus lösen, spüren Sie nach. Wie empfinden Sie sich jetzt?
Vielleicht ungewöhnlich, sich selbst in dieser Weise zu zuwenden. Aber es tut uns gut. Und je besser wir uns selbst kennen, um so wohler können wir auch anderen tun.
DAS HERZENSGEBET
„Wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen; der Geist selber tritt für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können“ Römerbrief, 8,26. Das Herzensgebet (Schweigegebet oder kontemplatives Gebet) ist eine einfache Weise des Betens, das eine lange christliche Tradition durch die Jahrhunderte hat. Es geschieht in dem Vertrauen, dass Gott da ist, weil er Gott ist. Er hat sich offenbart in Jesus Christus. Es besteht aus dem schlichten Verweilen in der Gegenwart und Ausrichtung auf Gott. Die größte Herausforderung ist, dass wir nichts leisten müssen und können. Was uns hilft, in der Gegenwart zu bleiben, ist die Wahrnehmung des Leibes, die Verbindung mit dem Atemgeschehen, das Lauschen in die Handmitten unserer im Schoß zusammengelegten Hände, und das Anlegen eines Wortes an den Atemstrom, z.B. des Namens Jesus Christus, in dem Er selbst gegenwärtig ist. Je länger wir dieses Gebet pflegen, umso tiefer fällt der Name in uns hinein und wird zum Herzensgebet.
Irgendwann wird er sich unser bemächtigen. Wir spüren, dass der Name in uns betet. Zu diesem Weg gehören die Durststrecken, die Zerstreuungen. Unsere einzige Aufgabe ist es, immer wieder zurückzukommen, wenn wir merken, dass wir uns entfernt haben. Das bedarf der Einübung der Absichtslosigkeit. Der Weg wird uns läutern.
Er ist kein Selbstzweck. Durch die Hingabe und das Verschenken der Zeit im Gebet, werden wir aufmerksamer und unser Leben wird kraftvoller. Frere Roger hat das Wortpaar geprägt: Kampf und Kontemplation. Sie sind Geschwister, zwei Seiten einer Medaille.
Wenn Sie mehr über das kontemplative Gebet erfahren wollen, schauen Sie doch unter: http://www.kontemplation-in-aktion.de im Internet. In Weilheim und Peißenberg gibt es auch Kontemplationsgruppen und immer wieder Hinführungskurse.
Schwester Bärbel
Ausgebrannt, müde, erschöpft sein - das kennen Sie vielleicht auch. Aber hoffentlich ist noch kein echter Burnout daraus geworden. Das aktuelle Modethema ist in den Medien vielerorts ausführlich durchgekaut worden und wir wollen das nicht auch noch tun.
Jedoch haben wir, das VERBO-Team, uns zum aktuellen VERBO-Thema „Einfach leben“ gedacht, Ihnen zu zeigen, wie wir uns aus Stresskreisläufen bringen. Wie die Kerze auf dem Bild können Sie ausgebrannt sein und gerade mal ausgeschaltet sein … Sie können die Kerze und sich selber aber auch wieder AN machen. Dazu ist vielleicht der eine oder andere Tipp für Sie dabei, den Sie noch nicht ausprobiert haben. In diesem Sinne wünscht das VERBO-Team Ihnen einen guten Start ins Neue Jahr mit neuen Impulsen und viel Erfolg.
Nicole Mundigl
Sophie Eder: „Was mich von der Palme wieder herunterbringt? Eine Runde schwimmen oder (mit einem netten Hund) spazieren gehen, mich auf den nächsten „Lichtpunkt in meinem Leben“ freuen, und was (bis jetzt) noch immer geholfen hat (und auch meinen Schülern in Stresssituationen Ruhe vermittelt): Man lässt den Arm locker nach unten hängen, presst Daumen und Zeigefinger mehrere Male fest zusammen und lächelt dabei den vermeintlichen Gegner an…“
Tassilo Krauss: „Um mich zur Ruhe zu bringen, helfen mir am besten Schlaf und ganz wichtig ist Stille in der Natur oder in der Kirche. Entspannen kann mich jedoch ebenfalls ein interessantes Gespräch in angenehmer Atmosphäre.“
Kaplan Michael Kammerlander: „Wenn ich unruhig und gestresst bin, dann improvisiere ich gerne am Klavier ein paar schöne Stücke. Das bringt mich wieder runter und gibt mir Kraft für Neues.“
Carmen Höck: „Ich habe mit großer Freude festgestellt, daß mich sowohl die Ruhe, als auch Bewegung runterbringen. Ich liebe es, an einem See auf einem Steg zu sitzen, zu beobachten, wie sich das Wasser bewegt, wie sich die Sonne im Wasser spiegelt, genauso entspannend ist es für mich, bei meinem Lieblingsbaum zu sitzen, die Wärme der Rinde zu spüren, in den Himmel zu schauen, die Wolken zu beobachten und dazu die Vögel zwitschern zu hören. Seit ein paar Wochen gehe ich regelmäßig zum Zumba. Die laute Musik, das Beachten und Umsetzen der verschiedenen Bewegungen und Schritte und hinterher das Glücksgefühl, daß man sich so schön ausgepowert hat, tun mir unendlich gut. Danach gehe ich immer beschwingt nach Hause und stelle fest, daß es mir gelungen ist, komplett abzuschalten und wirklich einmal an gar nichts gedacht zu haben.“
Nicole Mundigl: „Wenn ich gestresst, abgespannt oder einfach nur total durch bin, da hilft SITZEN. Einfach auf der Couch sitzen. Meist, wenn die Kinder in der Schule sind, mein Mann in der Arbeit ist und somit die Wohnung ruhig und leer ist, schnappe ich mir eine meiner drei Katzen und genieße die Ruhe, sitze und mache den Kopf dadurch frei. Oder laaanges heißes Duschen abends als Entspannung tut mir auch gut. Oder wenn ich Aktives brauche: MP3-Player ins Ohr, laut aufdrehen und eine Stunde laufen gehen.“
Anton Hofer: „Wenn ich mal wieder entspannen muss, weil ich zu gestresst bin, krame ich meine Hatha-Yoga-Kenntnisse hervor und beschäftige mich eine Stunde mit mir selbst. Ich beherrsche zwar keinen Lotos-Sitz, aber meine Kenntnisse aus einigen VHS-Kursen sind für meine Bedürfnisse ausreichend. Nach einer Anspannungsphase, bei der durch entsprechende Übungen ungeahnte Muskelpartien im Körper betätigt werden, folgt eine Phase bewusster Entspannung. Nach einer abschließenden Ruhephase fühle ich mich wie neu geboren.“
Norbert Moy: „Im Zug nach Weilheim lasse ich die Hektik der Arbeit und die Großstadt buchstäblich hinter mir. Die Stunde Bahnfahrt ist gewonnene Zeit für mich: Zum Lesen, Dösen oder Ratschen. Oder um einfach die Landschaft zu genießen. Wenn hinter Diemendorf der Hohe Peißenberg und die Alpen am Horizont erscheinen, dann bin ich wieder daheim.“
Dr. Ilse Meister: „Wo ich meine Ruhe finde, Beständigkeit für den Alltag, größere Sicherheit in Entscheidungen? Ich beginne den Tag mit einer Sitzung - vor dem Frühstück, 25 Minuten auf einem Sitzkissen in der Ecke des Zimmers: inhaltslos, absichtslos, mit dem Versuch, an nichts zu denken, nur dazusein. Die Unbewegtheit des Körpers zwingt auch den Geist zur Ruhe. Und auch wenn das meistens nur sehr unvollkommen gelingt, bringt das Bemühen auf die Dauer Gewinn: Ich lerne Wichtiges von weniger Wichtigem zu unterscheiden, ich habe eine klarere Sicht auf Probleme, es zeigt sich eine Lösung, es kommt plötzlich ein Einfall. Und aus der stabilen Mitte heraus wächst auch eine Glaubenszuversicht, die nicht näher benannt werden muss.“
Thomas Kleinle: „Wenn ich zur Ruhe kommen möchte, dann ist für mich eine schnelle Methode, mich zu entspannen, einen Kinderriegel oder Schokolade zu essen. In stressigen Zeiten gönne ich mir auch gerne ein paar Minuten einfach nur Musik. Je nach Stimmung wird dann die richtige Musikrichtung ausgewählt.“
Andreas Demel: „Bei mir helfen - je nach Situation - ganz verschiedene Dinge, um abschalten zu können. Bei großer geistiger Beanspruchung, vor allem in Prüfungszeiten, waren für mich das Kochen und das vorherige Einkaufen der Zutaten immer sehr entspannend. An hektischen Tagen tut es mir gut, eine halbe Stunde einfach alleine still zu sitzen und nichts zu tun! Die Feier der Heiligen Messe (besonders am Werktag) ist für mich immer auch eine Gelegenheit, selbst zur Ruhe zu kommen. Eine weitere Möglichkeit abzuschalten, ist das gemütliche Zusammensein und das Gespräch mit Freunden. Dazu ist es leider nicht ganz einfach, die nötige Zeit zu finden.“
Maria Wiester: „Wenn es bei mir drunter und rüber geht, dann brauche ich Musik. Und zwar am liebsten Sakrale Musik. Das beruhigt mich und ich kann dann dabei sehr gut entspannen und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Da ich mit Singen groß geworden bin, liegt mir das praktisch im Blut. Deshalb genieße ich die wöchentlichen Chorproben. Ich kann da total abschalten und wundere mich manchmal, dass ich in der Zeit an nichts anderes denken mußte. Die Musik und das Singen befreit und berührt meine Seele - ohne die Musik kann ich nicht.“
Karin Pecher: „Wie baue ich Stress ab, den ich zuge-lassen habe? Zuerst trinke ich einen Espresso und den genieße ich ausgiebig. Ich betätige mich je nach Jahreszeit auch sportlich, indem ich zum Laufen gehe, Inline skate oder radle. Ich versuche auch oft mit „mir“ selber zu sprechen und dann hört sich so manches ganz anders an.“
Hubert Elbert: „Ich entspanne mich am besten bei klassischer Musik, am liebsten von Mozart. Dann kann ich richtig in die Notenflut abtauchen und wieder ganz bei mir sein. So kann ich den nötigen Abstand finden und mir fallen oft gerade in solchen Momenten die besten Geschichten, Passagen oder Texte ein, die ich dann weiterentwickeln kann.“
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